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Gemeinde Münchsmünster  |  E-Mail: gemeinde@muenchsmuenster.bayern.de  |  Online: http://www.muenchsmuenster.de

Das Dachwerk des ehemaligen Forstamtes in Münchsmünster

Dendrochronologie und Bauformen
Torbereich Kloster

Bereits im Dezember 2000 untersuchten die beiden Studenten Georg Brütting und Michael Jandejsek von der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg das Dachwerk im Gebäude des ehemaligen Forstamtes (Dr.-Eisenmann-Str. 12), dessen Kernbau zum ehemaligen Torbereich des Klosters Münchsmünster gehörte. Es handelt sich um das einzige noch stehende Gebäude des alten Klosterkomplexes, der im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts auf Abbruch versteigert und niedergelegt wurde. Fünf zur Altersbestimmung des Dachwerkes entnommene Holzproben wurden am Dendrochronologischen Labor der Universität Bamberg ausgewertet. Die Kosten derselben übernahm die Gemeinde Münchsmünster.

 

Die Auswertung erbrachte, dass das zur Errichtung des Dachwerkes verwendete Holz im Winter 1687/88 geschlagen wurde. Da eine Errichtung des Dachwerkes im Winter auszuschließen ist, sind diese Arbeiten für das Frühjahr bzw. den Sommer 1688 anzusetzen. Diese Baumaßnahme fällt somit in die Zeit, in der die Gebäude des ehemaligen Klosters - 1556 von den letzten Mönchen verlassen - vom Jesuitenkolleg in Ingolstadt aus verwaltet wurden (1599 – 1773). 

Grossansicht in neuem Fenster: Dachwerk 

Rechts neben dem Tor befindet sich - nach Vergleichen mit alten Katasterplänen - das Gebäude des ehemaligen Forstamtes in seinem wohl ursprünglichen Zustand.

 

Das steile Dachwerk aus dem späten 17. Jahrhundert ersetzte allerdings ein älteres Dach. In der nördlichen Giebelwand haben sich Reste des Abschlusses der alten Giebelwand, ein sog. Treppengiebel, erhalten. Der Treppengiebel ist ein weitverbreitetes Bauelement der Gotik. Der Kernbau des Gebäudes Dr. Eisenmannstr. 12 mit seinem ursprünglich niedrigeren Dach könnte noch zu Klosterzeiten- eventl. erste Hälfte 16. Jahrhundert - entstanden sein. Dies kann allerdings nur durch weitere Nachforschungen belegt werden. 
 

Das alte Dachwerk wurde, wie bereits erwähnt, im späten 17. Jahrhundert durch ein über 9 m hohes Dach mit insgesamt drei Dachgeschossen ersetzt. Es handelt sich um ein Sparrendach mit liegendem Stuhl, d. h. die Stuhlsäulen - wichtige konstruktive Bauteile eines Dachstuhls - stehen im Gegensatz zum stehenden Stuhl nicht senkrecht, sondern schräg und sind mit ihrem Fußpunkt zu den Außenwänden angeordnet. Diese Konstruktion bietet die Möglichkeit, das Dachwerk als Speicherboden zu nutzen. Dies wird durch den Befund von Schüttbrettern bestätigt. Somit kann dem Dachwerk eine Funktion als Getreidespeicher zugesprochen werden.

 

Das Gebäude des ehemaligen Forstamtes wurde jedoch schon vor diesen Untersuchungen des öfteren als Getreidespeicher des Klosters bezeichnet. Allerdings waren hier die sog. „Sackmaße“ an der südlichen Giebelseite des Hauses dafür der ausschlaggebende Punkt. Welche Funktion diese letztendlich wirklich hatten, bleibt weiterhin ungeklärt.

 

 Verzierung Dachstuhl

Weitere interessante Befunde im Dachstuhl waren Abbundzeichen und Verzierungen auf den Kopfbändern der Dachstuhlkonstruktion. Sie waren mit Rötelstiften auf die Hölzer aufgebracht und z. T. in noch sehr gutem Zustand erhalten. Die einzelnen Bauteile der Dachstuhlkonstruktion werden in der Regel mit Abbundzeichen durchnumeriert. Weiterhin war man auf eine ansprechende Ausgestaltung der Dachgeschosse bedacht, was die Verzierungen auf den Kopfbändern belegen.

 

 

 

AbbundzeichenDie Untersuchungen haben einen interessanten Einblick in die Baugeschichte des Hauses Dr. Eisenmannstr. 12 gegeben und zugleich weitere neue Fragen aufgeworfen.

 

 

 

Festzuhalten bleibt, dass es sich bei dem Dachwerk um eine beeindruckende Baumaßnahme von enormen Aufwand aus nachklösterlicher Zeit handelt und das Ergebnis der dendrochronologischen Untersuchungen dem Ort Münchsmünster das älteste nachgewiesene Profangebäude beschert hat. 

 

Text und Fotos: Michael Jandejsek; Stich: Bayer. Landesvermessungsamt

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